Schreiben Blogger nur das, was der Verlag will?

Am 1. Tag der #LitLove2016 durfte ich im Rahmen der Bloggerlounge drei Autorinnen näher kennenlernen. Maria Adams, Stefanie Gerstenberger und Christiane von Laffert saßen mit ca. zehn Bloggerinnen bei Snacks und Getränken zum lockeren Austausch zusammen.
Erwartet hatte ich, ehrlich gesagt, eine „typische“ Bloggerfragerunde mit vielen Fragen an die Autoren. Zu meiner – positiven – Überraschung, haben die Autorinnen nun auch die Chance genutzt, mal ein paar Fragen an die Blogger loszuwerden.
Eine Thematik schien ihnen auf dem Herzen zu brennen: Rezensionen und Rezensionsexemplare

Schickt euch der Verlag einfach wahllos Rezensionsexemplare?

Ja und Nein. Jeder Verlag hat da eine andere Vorangehensweise. Da die LitLove eine Randomhouse-Veranstaltung ist, erläutere ich hier kurz, wie es mit diesem Verlag abläuft.

Für uns Blogger gibt es ein Portal, für das wir eine „Registrierungsbewerbung“ ausfüllen. Voraussetzung ist natürlich, dass man einen bücherbezogenen Blog betreibt. Im Bloggerportal der Randomhouse Verlagsgruppe können bis zu 10 Bücher/Hörbücher/eBooks gleichzeitig angefragt werden. Sofern verfügbar, bekommt man dann ein Exemplar zugesendet. Sobald man eine Rezension veröffentlicht hat (und dies im Portal auch per Beleglink zurückgemeldet hat), kann man wieder weiter Bücher anfragen.

Dürft ihr nur gute Rezensionen schreiben und was macht ihr, wenn euch ein Buch nicht gefällt?

Grundsätzlich haben wir keinerlei Vorgaben, was das Ergebnis der Rezension betrifft. Der Verlag gibt lediglich Tipps zum Verfassen einer Rezension.
Ich persönlich versuche, so objektiv wie möglich zu bleiben, die Bewertung an sich also auf Fakten zu stützen und meinem persönlichen Empfinden nur wenige Sätze zu widmen. Da ich ja aber auf meinem Blog vor allem Empfehlungen aussprechen will, behalte ich es mir auch mal vor, über ein Buch nichts zu schreiben. Wenn es mir, aus rein persönlichen Gründen, gar nicht gefallen hat. Da reicht dann eine kurze Info an den Verlag, dass man keine Rezension schreiben wird.

Die Autorinnen, die mit uns lebhaft diskutierten, wollten daraufhin wissen, wie es kommt, dass es Blogger gibt, die (fast) nur positive Rezensionen schreiben.

Das kann mehrere Gründe haben, deshalb spreche ich hier nun nur für mich.
Ich kenne meinen Buchgeschmack, ich weiß, bei welchen Autoren ich immer richtig liege. Wenn ich also mal „schlecht bewerte“, dann, weil der Klappentext irreführend war und meine daraus entstandenen Erwartunge nicht erfüllt wurden, oder weil es ein mir bis dahin unbekannter Autor war, der mich nicht überzeugen konnte.

Die Bloggerlounge war also super spannend.
Ich bedanke mich für die Offenheit der Autorinnen, die ehrliche Fragen gestellt haben und sich gerne unsere Meinung dazu angehört haben.
Besonders toll fand ich auch, dass die Autorinnen begründete Zweifel geäußert haben, wie jemand mehr als 100 Bücher pro Jahr lesen kann … aber das ist wieder ein anderes Thema 😉

© Bettina Dworatzek

Von guten Mächten

Von guten Mächten

Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgehen kann! Aber er antwortete: Geh nur hinein in die Dunkelheit und lege deine Hände in die Hand Gottes! Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg!

(Gleichnis eines chinesischen Christen)
-Axel Kühner: Überlebensgeschichten für jeden Tag-

Das wünsch ich euch allen für das neue Jahr, dass ihr genug Mut habt, Gott vollkommen zu vertrauen und mit ihm an seiner Hand in das neue Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen, seinem Alltag und seinen Abenteuern zu gehen.
Viel Glück, Erfolg und Freude im neuen Jahr. Und haltet eure Augen offen, damit ihr nicht die schönen Momente verpasst 😉

Eure Betti

* Frohe Weihnachten *

Mit meinem Lieblingsweihnachtsgedicht wünsche ich euch allen

frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Das gestohlene Jesuskind

Die schönste Krippe dieser Welt
ist in der Kirche aufgestellt
Maria Josef, Ochs und Rind
inmitten drin das Jesuskind.

Kurz nach dem zweiten Weihnachtstag
trifft den Herrn Pfarrer fast der Schlag
wird käsebleich vor großem Schreck
das süße Jesulein ist weg
fort, gestohlen und geraubt
von Kirchenräubern unerlaubt.

Der Messner ist auch sehr entsetzt
weil stark die Heiligkeit verletzt.

Die beiden sorgen sich mit Bange
jetzt dauert es bestimmt nicht lange
bis auch der Josef wird gestohlen
und Gauner die Maria holen.

Und sie beschließen aufzupassen
den Übeltäter frisch zu fassen,
der Pfarrer will im Beichtstuhl sitzen
das Brillenglas an schmalen Schlitzen
der Messner beim Altar verkroch
spickt durch ein kleines Astguckloch.

Sie warten ganz mucksmäuschenstill
und wie es Gottes Weisheit will
öffnet sich sacht die Kirchenpfort‘
ein kleiner Bub erscheinet dort,
schiebt seinen Roller vor sich her
das Jesuskind liegt hinten quer
über dem Schutzblech hängend nur
halb festgemacht mit einer Schnur.

Der Pfarrer eilet flugs geschwind
zum Buben mit dem Jesuskind
was fällt dir ein, hört man ihn fragen
willst du mir gleich die Wahrheit sagen,
der Knirps mit seinen blonden Locken
erwidert freiweg unerschrocken.

Was man verspricht man halten soll
und er erklärt fast andachtsvoll
ich habe schon vor ein paar Wochen
dem Jesuskindlein fest versprochen:
Wenn es am Christtag an mich denkt
mir einen schönen Roller schenkt
darf es zusammen mit mir flitzen
und hinten auf dem Schutzblech sitzen,
ich werde nicht vom Roller steigen
dem Jesuskindlein alles zeigen
dann kann es Abwechslung bekommen
vom Heugeruch und Überfrommen,
und „frische Luft“ und Spaß juchu
und rote Bäckchen noch dazu.

Autor:unbekannt

Die wahre Schönheit

Washington D.C, U-Bahn-Station an einem kalten Januar-Morgen im Jahr 2007. Ein Mann mit Violine wird sechs Stücke von Bach spielen und dazu 45 Minuten benötigen. Während dieser Zeit werden etwa zweitausend Menschen an ihm vorbei gehen, durch die U-Bahn-Station, auf ihrem Weg zur Arbeit. Was wird geschehen?

Nach 3 Minuten nimmt ein Mann im mittleren Alter Notiz davon, dass ein Musiker spielt. Er verringert seine Geschwindigkeit und hält für ein paar Sekunden inne. Dann beschleunigt er wieder, um seinen Zeitplan einzuhalten.

4 Minuten später: Der Violinist erhält seinen ersten Dollar. Eine Frau wirft Geld in seinen Hut und, ohne zu Stoppen, läuft sie weiter.

6 Minuten später: Ein junger Mann lehnt sich an die Wand, um dem Musiker zuzuhören. Dann schaut er auf seine Uhr und geht weiter.

10 Minuten später: Ein Dreijähriger hält vor dem Musiker, aber seine Mutter macht Zeichen, dass er sich beeilen solle. Das Kind hält erneut, doch die Mutter stößt es unsanft, um weiter zu kommen. Das Kind geht zwar weiter, schaut sich jedoch permanent um. Dieses Schauspiel wiederholt sich bei mehreren Kindern. Alle Eltern, ohne Ausnahme, zwingen ihre Kinder schneller vorbei zu gehen.

45 Minuten später: Der Musiker spielte ohne Unterbrechung. Nur 6 Menschen hatten gehalten und für eine kurze Zeit zugehört. Etwa 20 Menschen gaben Geld, gingen aber unvermindert weiter. Der Mann sammelte insgesamt 32 Dollar.

1 Stunde später: Er beendet sein Spiel und verläßt den Platz. Niemand nimmt Notiz davon. Keiner applaudiert oder gibt eine andere Art der Anerkennung…

Niemand erkannte ihn, aber es war Joshua Bell, einer der bekanntesten Musiker der Welt. Er spielte einige der komplexesten Stücke, die je geschrieben wurden, auf einer Violine mit einem Wert von 3,5 Millionen Dollar. Zwei Tage zuvor spielte er vor einem ausverkauften Theater in Bosten, wo der Durchschnittspreis pro Platz 100 Dollar betrug.

Dies ist eine wahre Geschichte. Joshua Bell spielte incognito in einer Metro-Station, was die Washington Post als Sozialexperiment in Hinblick auf Wahrnehmung, Geschmack und Prioritätensetzung der Menschen organisierte.

Die folgenden Fragen wurden gestellt:
* Können wir an einem Alltagsort, während einer unangemessenen Zeit, Schönheit wahrnehmen?
* Werden wir anhalten, um sie zu genießen?
* Können wir Talent in einem unerwarteten Kontext erkennen?

Hier eine mögliche Schlussfolgerung:
Wenn wir nicht einen Moment Zeit haben, um einem der besten Musiker der Welt zu lauschen, der einige der berauschendsten Musikstücke spielt, die je komponiert wurden, und das auf einem der schönsten Instrumente, die je hergestellt wurden, was mögen wir dann noch alles verpassen?

 

Am 12. Januar 2007 war Joshua Bell Protagonist eines Experiments der Washington Post: In Straßenkleidung, mit einer Baseballkappe auf dem Kopf und seiner Stradivari-Violine in der Hand stellte er sich inkognito in eine U-Bahn-Station in Washington, D.C. und spielte 43 Minuten lang Stücke von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und anderen Komponisten klassischer Musik. Das Experiment wurde mit einer versteckten Kamera aufgezeichnet und ergab folgendes Resultat: Von 1.097 Personen, die an ihm vorbei gingen, sind nur 7 stehengeblieben, um ihm zuzuhören, und nur eine hat ihn erkannt. Einige haben ihm Geld in den offenen Geigenkasten geworfen, in Summe 32,17 $ (plus weitere 20 $ von der einen Person, die ihn erkannt hat – diese sind getrennt zu bewerten).Der Journalist Gene Weingarten hat für seinen Artikel, in dem er dieses Experiment beschrieben und kommentiert hat, 2008 den Pulitzer Preis für Fachjournalismus (feature writing) erhalten. (wikipedia.de)
Unglaublich, wie viele schönen Dinge wir tagtäglich zu verpassen scheinen. Also haltet eure Augen offen und genießt die kleinen, schönen Momente.

© Bettina Zipperle