Die hundert Jahre von Lenni und Margot – Marianne Cronin

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Lenni ist 17 und hat damit eigentlich noch ihr ganzes Leben vor sich – zumindest sollte das so sein. Doch sie ist unheilbar krank und liegt zum Sterben im Krankenhaus. Dort ergreift sie jede sich ihr bietende Gelegenheit, ihrem Krankenbett zu entkommen. Denn noch ist sie ja nicht tot. Oft verbringt sie Zeit in der Kapelle und spricht dort mit Pater Arthur.

„Ich glaube, dasselbe gilt für das Sterben. wir können ebenso wenig wissen, warum du stirbst, wie wir wissen können, warum du lebst. Das Leben und das Sterben sind große Geheimnisse, und man kann beides nicht verstehen, solange man es nicht selbst erlebt hat.“

Die hundert Jahre von Lenni und Margot – Marianne Cronin – C.Bertelsmann

Auf einer ihrer unerlaubten Touren durch die Krankenhausflure, begegnet Lenni einer älteren Dame in einem lilafarbenen Pyjama, die kopfüber im Müllwagen des Hausmeisters hängt. Einige Tage später trifft sie diese Frau im neu eingerichteten Kunstsaal wieder.

„Zahlen bedeuten mir nichts. Ich interessiere mich nicht für Divison und Prozentrechnung. Ich kenne weder meine Größe noch mein Gewicht und ich kann mich nicht an die Telefonnummer meines Vaters erinnern, obwohl ich die früher im Kopf hatte.
Aber plötzlich waren da zwei Zahlen, die sehr wichtig waren und die mir für den Rest meiner gezählten Tage viel bedeuten würden.
„Zusammen sind wir hundert Jahre alt“, sagte ich leise zur ihr.“

Die hundert Jahre von Lenni und Margot – Marianne Cronin – C.Bertelsmann

Gemeinsam beschließen sie, 100 Bilder zu malen. Für jedes ihrer Lebensjahre eines. Und die Geschichte zum Bild teilen sie miteinander.

Dieser Roman war sehr berührend. Lenni ist eine erstaunliche Person. So direkt, witzig, ernst; erwachsen und zugleich noch ein Kind. Und sie ist mutig, obwohl sie von sich selbst sagt „Ich bin nicht mutig, ich bin nur noch nicht tot.“

„Die hundert Jahre von Lenni und Margot“ ist ein Roman über das Leben, Lieben, Sterben und das Verlieren. Über Erinnerungen, Andenken. Über die Sekunden, in unserem Leben, die wirklich wichtig sind.

„Plötzlich spürte ich (das kommt manchmal vor), wie die Erde sich bewegte. Ich merkte, dass sie sich drehte und uns vorwärts zog, dass Millionen Millisekunden verflogen und dass dieser Augenblick kostbar war.“

Die hundert Jahre von Lenni und Margot – Marianne Cronin – C.Bertelsmann

Jede Minute des Lesens dieser Seiten war genial, mitreißend, inspirierend, berührend. Marianne Cronin hat einen wundervollen Schreibstil und ist ein Genie der kleinen Hinweise, die später einen großen Aha-Effekt erzeugen. Ich bin absolut froh, diesen bewegenden Roman gelesen zu haben.

10 von 10 Buchsternen

© Bettina Dworatzek

Sternstunde – Die Schwestern vom Waldfriede – Corina Bomann

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Alle Bücher, die ich bisher von Corina Bomann gelesen habe, fand ich sehr gut. Alle mit einem etwas melancholischen Touch, aber dennoch mit Happy End. Deshalb habe ich mich als Testleserin für diesen Roman gemeldet. Mir wurde aber recht schnell wieder klar, warum ich historische Romane, die Anfang des 20. Jahrhunderts spielen, selten mag.
Die Zeit scheint einfach noch zu nah, obwohl 100 Jahre zwischen damals und heute liegen. Die Nachkriegszeit und die Wirtschaftskrise waren Jahre voller Leid und Entbehrung. Gerade, weil wir uns immer noch in einer Pandemie befinden, und diese zumindest auf psychischer und emotionaler Ebene viele Entbehrungen mit sich brachte, haben sich durch das Lesen dieses Romans meine Sorgen und Ängste verstärkt.

Auch wenn Corina Bomann sehr bildhaft geschrieben hat und die Hauptcharaktere mir sympathisch waren, so hat mich das Lesen doch mit einem bedrückten Gefühl zurückgelassen. Vielleicht gerade wegen des bildhaften Schreibstils, der mich mitten ins Geschehen hineinzog. Zudem empfand ich beim Lesen, auch wenn ich selbst christlich erzogen wurde, das Leben der Siebenten-Tags-Adventisten doch als recht befremdlich.
Erstaunlich ist jedoch trotzdem, dass in diesem Roman Wahrheit und Fiktion noch näher zusammenliegen als ich es bisher je in einem Roman empfand.

Das Cover (und auch die der Folgebände) sind grandios. Perfekt zur Szenerie passend und wunderschön anzusehn.

Diesen Roman kann ich allen empfehlen, die realistische, historische Romane mögen, die in der Nachkriegszeit spielen. Die Waldfriede-Saga wird insgesamt vier Bände umfassen (hier gehts zur Saga). Da es mich seelisch und moralisch doch sehr mitgenommen hat, weiß ich noch nicht, ob ich die Folgebände lesen werde, da diese in den folgenden Jahren spielen, die, wie wir alle wissen, nicht weniger schrecklich waren.

7 von 10 Buchsternen

© Bettina Dworatzek